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Literatur (Auswahl)

BAUMGARTNER, ANTON: Die Oktober-Feste auf der Theresien-Wiese bey München von 1810–20. Nebst der Luftfahrt der Frau Wilhelmine Reichard, München 1820.

DERING, FLORIAN / GRÖNER, MARGARETE / WEGNER, MANFRED: Heute Hinrichtung. Jahrmarkts- und Varietéattraktionen der Schausteller-Dynastie Schichtl, München 1990.

DERING, FLORIAN / EYMOLD, URSULA: Das Oktoberfest, 1810–2010. Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München, München 2010.

DESSAUER, ALFRED: Salvator, Oktoberfest und andere alkoholische Kulturrückständigkeiten aus München, München 1912 (Vortrupp-Flugschrift, Nr. 9).

DESTOUCHES, ULRICH VON: Haupt- und Residenz-Stadt München und ihre Umgebungen. Ein Wegweiser für Fremde und Einheimische, München 1827.

DREESBACH, ANNE: Gezähmte Wilde. Die Zurschaustellung »exotischer« Menschen in Deutschland 1870–1940, Frankfurt a. M. / NewYork 2005.

DREESBACH, ANNE / KAMP, MICHAEL : 195 Jahre Oktoberfest. Ein historischer Streifzug, München 2005.

FESTRING MÜNCHEN E.V. (HRSG.): Oktoberfest München, 2009. Festprogramm. Programm zum Trachten- und Schützenzug, München 2009.

GOEBEL, ANNE: »Das Dirndl ist die Urform des Kleids«. Mädchenhaft und doch verführerisch – Modedesignerin Lola Paltiner über das Spiel mit der Tradition, Interview, »Süddeutsche Zeitung«, Nr. 226, 1. Oktober 2009, S. 44.

HOFERICHTER, ERNST / STROBL, HEINZ: 150 Jahre Oktoberfest, 1810–1960. Bilder und G’schichten. Festschrift der Landeshauptstadt München, München 1960.

LANGHEITER, ALEXANDER: Münchens Auer Dult, München 2010.

MÜNCHNER STADTMUSEUM (HRSG.): Das Oktoberfest. Einhundertfünfundsiebzig Jahre Bayerischer National-Rausch. Die Festschrift ›175 Jahre Oktoberfest, 1810–1985‹, München 1985.

STANKIEWITZ, KARL: Prachtstraßen in München. Ludwig- und Maximilianstraße, Dachau 2008.

TWOREK, ELISABETH: »… und dazwischen ein schöner Rausch«. Dichter und Künstler aus aller Welt in München, München 2008.

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Bildlegende

S. 6: Heinrich Adam, Oktoberfest 1824, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

S. 12: Plakat für eine Lappen-Völkerschau bei Carl Hagenbeck, Hamburg-St. Pauli von Adolph Friedländer aus dem Jahr 1893/94

S. 18: Franziska Eichelsdörfer, Schichtl-Besitzerin, bei der Parade auf dem Oktoberfest, um 1960, Fotografie Stefan Moses

S. 26: Das große Riesenrad, Foto Fritz Ludwig Jung, 2009

S. 34: Wiesn-Kinderfreuden, Foto Carina Colista, 2008

S. 42: Autoskooterimpression, Otto Durst – fotolia.com

S. 46: Bierfassrutsche, Humor-Ansichtskarte aus dem Jahr 1905

S. 52: Bayerisches Zentral-Landwirtschaftsfest, Lithografie von Max Bletschacher

S. 56: Hau den Lukas im Jahr 1957, Fotografie Helmut Keller

S. 62: Lebkuchenherzen an einem Wiesnstand, Foto privat

S. 72: Der Kunstverächter, Humor-Ansichtskarte, privat

S. 80: Münchner Kindl mit Fass und Bierkrug um 1900, Foto-Ansichtskarte, privat

S. 88: Hacker-Pschorr-Festzellt von innen, Fotografie privat

S. 94: »Wiesn-Napoleon« Richard Süßmeier in Aktion, 1980, Fotografie Heinz Gebhardt

S. 102: Grillhendl in Massenproduktion, Fotografie von imag013 – fotolia.com

S. 108: Toilettenwegweiser, Fotografie privat

S. 115: Wiesn bei Nacht, Fotografie Arnd Kohlen, http://fotos.eshine.de

S. 116 / 117: Oktoberfest-Ansichtskarten vor 1900, privat

S. 118: Oktoberfest 1959, Fotografie Helmut Keller

S. 119: Luftballonverkäufer auf der Wiesn 1957, Fotografie Helmut Keller

Bildnachweis

Ansichtskartensammlung privat: S. 9, 20 (oben), 22, 36, 48, 52, 58 (links), 65, 70f, 74f, 79, 84 (unten), 87, 91 (unten), 93, 96, 100, 104, 105, 106, 107, 110, 116f; aus: Münchner Stadtmuseum (Hrsg.): Das Oktoberfest. Einhundertfünfundsiebzig Jahre bayerischer National-Rausch, München 1985: S. 16, 23, 40f, 58 (rechts), 64 (unten), 78, 86, 90 (unten), 111, 113; aus: Dering, Florian / Gröner, Margarete / Wagner, Manfred: Heute Hinrichtung. Jahrmarkts- und Varietéattraktionen der Schausteller-Dynastie Schichtl, München 1990: S. 20 (unten), 25; Elisabeth Glass: S. 64 (oben); Walter Herbert: S. 59; Helmut Keller: S. 33, 39, 44, 50, 51, 82, 83, 84 (oben), 85, 97, 98, 99; Stefan Moses: S. 101; Mueller-rech. München: S. 69; pitts-todeswand: S. 60f; Harald Platzer: S. 90 (oben); Polizei Bayern: S. 76; Polizei München: S. 77; privat: S. 29, 32, 37, 38, 45, 49, 55, 68, 92, 114; Birgitt Schlauderer: (BÜRO ALBA) S. 11; Stadtarchiv München: S. 30; Berenice Whelan: S. 91 (oben)

Die Quellen aller Abbildungen wurden sorgfältig recherchiert. Sollte uns ein Nachweis entgangen sein, bitten wir Sie, mit dem Allitera Verlag, München, Kontakt aufzunehmen.

Dank

Unser großer Dank geht an den Allitera Verlag und hier ganz besonders an Dietlind Pedarnig, die uns mit großem Einsatz und viel Freude an der Sache immer mit Rat und Tat zur Seite stand und alles getan hat, damit unser Werk in Inhalt und Optik eine »runde Sache« wurde. Ihre mit viel Liebe zusammengetragene historische Foto- und Bildersammlung bildet den Grundstock für dieses Büchlein. Darüber hinaus dürfte es nicht viele Lektorinnen geben, die selbst an Wochenenden bei über 30 Grad zur Verfügung stehen und dabei immer noch zu lieben, aufmunternden Worten fähig sind. Weiterhin geht unser Dank an Eva Strauß, von der die Idee für dieses Büchlein stammt und die bei Fragen zur Literatur immer hilfreich war.

Angelika Dreyer & Carmen Finkenzeller

Danke an Greta Pareik, die mir beibrachte, wie man Arbeit portioniert, an Andrea Gottdang, die mir immer gut zuredet, und an meinen Sohn Emanuel, der mich erträgt. Widmen möchte ich dieses Buch meinen Eltern Aga und Peter Dreyer, die mir den geistigen und emotionalen Raum dafür geben.

Angelika Dreyer

Ich bedanke mich bei Lydia Herold, die mich bestärkt hat und als persönliche Lektorin für mich die erste Unterstützerin war. Ebenso an Angelika Dreyer, die mir den nötigen Mut und Schubs für den ersten Schritt zu diesem Buch gegeben hat. Widmen möchte ich dieses Buch meiner Großmutter Katharina Gratzl, die sogar mit 98 Jahren immer noch so gerne auf der Wiesn war und mit großer Freude Riesenrad und Krinoline gefahren ist.

Carmen Finkenzeller

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Standpunkt 1 • U-Bahnstation Theresienwiese

»Zu Münchens schönsten Paradiesen zähltohne Zweifel seine Wiesen«

Wer will schon dieser euphorischen Feststellung des Schriftstellers Eugen Roth widersprechen, wenn es um das Oktoberfest, das größte Volksfest der Welt, geht? Dabei hatte es, gemessen an den heutigen Dimensionen, relativ bescheiden begonnen …

Im Oktober 1810 feierte ganz München die Vermählung zwischen dem jungen bayerischen Kronprinzen Ludwig und der Prinzessin Therese Charlotte Louise Friederike Amalie von Sachsen-Hildburghausen. Die Wahl der Braut war weniger eine Entscheidung des Herzens als politisches Kalkül und entsprang einer Vereinbarung zwischen dem Vater von Ludwig, König Max I., und dem vom Kronprinzen leidenschaftlich gehassten Napoleon. Wen wundert es daher, dass Ludwig seiner Braut noch während der Verlobungszeit schrieb, dass er auch fortan seine gewohnte Lebensweise beizubehalten beabsichtige. Diese wenig rücksichtsvolle und leicht unterkühlte Einstellung gegenüber der 18-jährigen Therese blieb in ihrer Ehe leider wegweisend.

Den Wittelsbachern kamen die Hochzeitsfeierlichkeiten überaus gelegen, denn die bayerischen Untertanen hatten seit dem Regierungsantritt von Max I. elf Jahre zuvor vieles hinnehmen und bewältigen müssen: Kriege, die der unpopulären Vereinigung mit Frankreich geschuldet waren, die Härte der Säkularisation, mit der vielen Katholiken auch die persönliche Frömmigkeitsausübung erschwert wurde, und die unfreiwillige Anbindung weiterer Gebiete in Franken und Schwaben an Bayern. Das Königshaus benötigte dringend Popularitätszuwachs und die Hochzeit erwies sich als eine willkommene Gelegenheit dazu.

Am 12. Oktober fand in der Hofkapelle die Trauung statt, begleitet von Glockengeläut und Kanonenschüssen. Am Abend darauf erstrahlte München in einer großen Festbeleuchtung, bei der die prächtig ausstaffierten Fassaden öffentlicher und privater Gebäude illuminiert und mit zahlreichen »transparenten Gemälden« geschmückt waren. Die Stadt verwandelte sich in ein einziges großes Volksfest mit zahlreichen Tischen und Bänken, wo reichlich zu essen und trinken angeboten wurde. Allein 80 Zentner gebratenes Schaffleisch, 8120 Cervelat-Würste und 13 300 Paar geselchte Würste verzehrten die Münchner zu rund 232 Hektolitern Bier und vier Hektolitern österreichischem Weißwein.

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Königin Therese von Bayern im Krönungsornat, Ölgemälde von Karl Stieler, 1827

Die eigentliche Geburtsstunde des Münchner Oktoberfests schlug aber erst fünf Tage später, als die »Kavallerie Division des Bürger-Militärs in München« am 17. Oktober zu Ehren der Frischvermählten ein Pferderennen veranstaltete. Dazu stand »vor dem Sendlinger Thore, seitwärts der Straße, die nach Italien führt« eine weite, unbebaute Wiese zur Verfügung, begrenzt vom Sendlinger Berg, der zugleich als natürlich vorhandene Tribüne genutzt werden konnte.

Das Bürgermilitär griff mit diesem Hochzeitsgeschenk auf eine gute alte Tradition zurück, denn bereits im Jahr 1436 war ein prächtiges Pferderennen im Anschluss an die Vermählung Herzog Albrechts III. von Baiern mit der herzoglich braunschweigischen Prinzessin Anna in München veranstaltet worden.

Als der Heimatschriftsteller Anton Baumgartner zum zehnjährigen Festjubiläum auf dieses Ereignis zurückblickte, schrieb er bereits ausdrücklich vom »Oktober-Feste auf der Theresien-Wiese« und von einem »National-Fest«. Ulrich von Destouches erwähnte 1827 in seinem »Wegweiser von München«, dass von den übrigen Volksfesten »das Octoberfest als ein eigenes bayerisches Volksfest das ausgezeichnetste« sei. Beide nennen damit zwei entscheidende Funktionen des Oktoberfests: zum einen sollte die Inszenierung des Fests inklusive Pferderennen das bayerische Königshaus stärken und die politische Einheit der Nation der Bayern mit ihren neuen und nicht unbedingt freiwillig hinzugekommenen Gebieten unterstreichen. Zum anderen sollte es ein Fest für das Volk sein – und als solches wurde es von diesem auch von Anfang an und aus tiefster Seele empfundenen.

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Köng Ludwig I. im Krönungsornat, Ölgemälde von Karl Stieler, 1826

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Das weiß-blaue Königszelt vor dem gerade die königliche Kutsche eintrifft, dahinter der Glückshafen, Ansichtskarte 1913

Entsprechend dieser Zielsetzung bildete im 19. Jahrhundert das Königszelt den Mittelpunkt des Festgeschehens. Das weiß-blaue Zeltdach, ein Beutestück des barocken Kurfürsten Max Emanuel aus den Türkenkriegen, war bewusst gewählt worden, konnte doch mit solch kleinen Gesten auf die Kontinuität des Hauses Wittelsbach in Bayern verwiesen werden.

Stadtkommandant Felix von Lipowsky inszenierte zur Hochzeit die Huldigungen an das Königshaus, indem er 16 Buben und Mädchen aus angesehenen Münchner Familien paarweise vor das Königszelt treten ließ. In verschiedene Landestrachten gekleidet und damit die neun Kreise des Königreichs symbolisierend, überreichten sie Früchte und regionaltypische Produkte.

Inzwischen ist aus diesen 16 Kinderpaaren ein jährlich zu Beginn des Oktoberfests durchgeführter, etwa sieben Kilometer langer Trachtenund Schützenumzug durch München geworden, der seit 1948 stattfindet. Insgesamt rund 9000 Trachten- und Musikgruppen, Spielmanns- und Fanfarenzüge sowie Schützenkompanien ziehen, zusammen mit den Prachtgespannen der Münchner Brauerein, von der Maximilianstraße durch die Stadt und weiter zur Oktoberfestwiese. Entsprechend unserer inzwischen demokratisch gewordenen Staatsform defilieren der Münchner Oberbürgermeister mit seinen Stadträten und als Ehrengast der bayerische Ministerpräsident nebst Gemahlin an den Münchner Bürgern vorbei. Angeführt wird der Zug vom Münchner Kindl höchstpersönlich.

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Historischer Huldigungsfestzug zur Jahrhundertfeier des Oktoberfests am 25. September 1910, Gouache von Hermann Stockmann, dem künstlerischen Leiter des Zugs

Wie wenig die ursprünglich politische Intention des Oktoberfests, nämlich die neu zu Bayern hinzugekommenen Gebiete in Schwaben und Franken an das bayerische Stammgebiet anzubinden, an Brisanz verloren hat, zeigte sich erst in jüngster Vergangenheit wieder. Als die aus Franken stammende Gemahlin von Ministerpräsident Günther Beckstein im Jahr 2008 anstatt im Dirndl im schlichten Trachtenkostüm am Festzug teilnahm, beschäftigte dieser »Affront« die Münchner Boulevardpresse über Wochen hinweg.