Impressum

Die Originalausgabe Afterburn erschien 2015 im Verlag Severed Press, Australien.

Copyright © 2015 by Tim Curran

1. Auflage Dezember 2015

Copyright © dieser Ausgabe 2015 by Festa Verlag, Leipzig

Lektorat: Alexander Rösch

Titelbild: Dean Samed

Alle Rechte vorbehalten

eISBN 978-3-86552-425-6

www.Festa-Verlag.de

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9

Damals, in den geliebten und leider viel zu lange zurückliegenden 70er-Jahren, als Charlie Shaw noch ein Junge gewesen war, hatten sich die Kinder aus der Nachbarschaft regelmäßig getroffen, um in langen Sommernächten Statue zu spielen, während die Motten im Licht der Straßenlaternen getanzt hatten.

Ab einem festgelegten Zeitpunkt durfte man sich bei diesem Spiel nicht mehr bewegen – egal, was man gerade für eine Pantomime darstellte, man musste mittendrin aufhören und verharren. Wer gerade an der Reihe war, drehte sich um und riet, wen oder was man gerade imitierte. Gut möglich, dass man gerade mit gefletschten Zähnen und zu Klauen ausgestreckten Fingern einen Löwen imitierte. Oder man stand kerzengerade mit grimmigem Gesichtsausdruck herum, die Arme steif von sich gereckt, und gab eine Vorstellung von Frankensteins Monster zum Besten. Das hatte einen Riesenspaß gemacht. Das schöne Wetter und die von Gelächter erfüllte Nachtluft.

Dass die Kids von heute nicht mehr auf so etwas standen, wusste Charlie. Inzwischen gab es Laptops, Tablets und Smartphones. Niemand musste mehr die eigene Vorstellungskraft bemühen, um sich die Zeit zu vertreiben. Nach Statue krähte kein Hahn mehr.

Umso mehr überraschte es ihn, als er zwei Straßenzüge von seinem Zuhause entfernt in die Wishbone Avenue einbog und mehr als ein Dutzend Leute auf der Straße vorfand, die das Spiel spielten.

Bloß waren es keine Kinder, sondern Erwachsene.

Was ist denn hier los?

Er drosselte den Pick-up auf Schrittgeschwindigkeit und betrachtete die Leute, die wie steif gefroren auf dem Rasen und auf dem Gehweg standen – eine Gruppe von Denkmälern, die nur darauf warteten, dass die Tauben ihnen auf die Köpfe kackten.

Sollte das ein Witz sein?

Warum taten sie das?

Er fuhr weiter, aber seine Neugier setzte sich durch. An der Kreuzung Wishbone und Marble Heights wendete er und fuhr zurück. Diesmal blendete er auf, um besser sehen zu können.

Er erreichte die Gruppe von Statuen – ihm fiel keine bessere Bezeichnung ein – und hielt an. Alles wie gehabt, niemand rührte sich. Zur Hölle, nicht mal ein Blinzeln. Er angelte eine Winston aus der Packung und zündete sie an.

»Und da glaubt man, schon alles erlebt zu haben«, sagte er mehr zu sich selbst.

Komisch war auch, dass niemandem sonst diese Gruppe aufzufallen schien. Die Häuser auf beiden Seiten der Wishbone Avenue reihten sich still und finster wie Grabsteine aneinander.

Unter den Statuen gab es Männer und Frauen. Manche von ihnen trugen Kleidung, andere wiederum – und das fand er noch seltsamer als alles andere – waren nackt.

Charlie wartete unschlüssig.

Was sollte er tun? Der Sache auf den Grund gehen oder die Polizei alarmieren?

Oder er fuhr weiter und kümmerte sich um seinen eigenen Kram.

Das ist doch total abgedreht und unheimlich, hörte er eine Stimme in seinem Kopf. Mach dich aus dem Staub.

Sowohl Instinkt als auch gesunder Menschenverstand schwangen in diesem äußerst klugen Ratschlag mit. Doch Charlie war niemand, der auf innere Stimmen oder ein vages Bauchgefühl hörte. Er stieg aus und ging zu den Leuten. Vor einem Typen im Bademantel blieb er stehen.

Dem Mann fehlten die Augen.

So verrückt es klang, aber da klafften nur dunkle Löcher im Gesicht.

Angst ließ Charlies Herz erstarren. Das war nicht richtig. Er ging weiter und stellte fest, dass es überall dasselbe war. Keiner dieser Leute hatte Augen. Er stolperte und fiel fast über eine hochgewachsene Blondine, deren nackte Haut makellos wie Porzellan schimmerte – bis auf die dunklen Prellungen, die ihren Körper bedeckten. Genau wie die anderen Gesichter wies ihres zerklüftete Öffnungen auf, als habe ein fremdartiges Geschwür sie befallen.

Eine Krankheit, schoss es ihm durch den Kopf. Irgendeine exotische Seuche.

Er schlich rückwärts auf seinen Pick-up zu und zuckte zusammen, als ihm die Zigarette, die unbeachtet in seiner Hand glomm, die Pfoten verbrannte. »Verdammt.« Er schleuderte sie ins Gras.

Er hätte einiges dafür gegeben, ein Handy zu haben. Candy besaß eins. Sie lag ihm ständig in den Ohren damit, ebenfalls so ein Gerät anzuschaffen. Aber er hasste die Teile nun mal fast so sehr wie die Leute, denen sie ständig am Ohr klebten. Wenn sie Auto fuhren, wenn sie, ohne es zu merken, anderen die Vorfahrt nahmen. Wenn sie im Restaurant oder im Kino saßen – ständig klingelte irgendwo eins dieser Scheißdinger und nervte einen. Erstaunlich, dass die Welt so lange ohne solche Technik ausgekommen war.

Zu blöd nur, dass er deshalb nicht die Polizei rufen konnte. Er musste irgendwo Bescheid geben.

Aber vor allem musste er hier weg – sonst steckte er sich noch mit dieser mysteriösen Krankheit an. Er sprang ins Auto und drehte den Zündschlüssel. Die Scheinwerfer und die Beleuchtung des Armaturenbretts erloschen. Der Wagen gab den Geist auf. Scheiß Chevy!, fluchte er innerlich. Dämliche Schrottkarre. Was für ein mieser Zeitpunkt für eine Panne. Er kramte die Taschenlampe aus dem Handschuhfach, aber die Batterien erwiesen sich als leer. Das konnte doch nicht ... Er entriegelte die Motorhaube und sprang aus der Tür. Die Haube öffnete sich mit einem lauten Knirschen. Laut genug, um die Toten sämtlicher Nachbarstaaten aus ihren Gräbern zu holen, wie er befürchtete.

An so etwas solltest du nicht mal denken ...

Die Leute auf dem Rasen und auf dem Gehsteig kamen ihm wie Leichen vor. Den Gedanken, dass sie alle mit einem Schlag wieder zum Leben erwachten, empfand er als ziemlich beunruhigend.

Oh Mann.

Jemand schien seine Gedanken gelesen zu haben, denn aus Einbildung wurde Wirklichkeit. Die menschlichen Statuen begannen zu schlottern. Arme und Beine vibrierten und Körper zischten wie Zigaretten, die man in einer Bierlache ausdrückte. Ssssssttt.

Sie brannten.

Und er bekam es hautnah mit. Sein Herz machte beinahe schlapp, er konnte es nicht glauben. Den Statuen entströmte Rauch, als fackelten ihre Eingeweide ab. Dicke Schwaden zogen davon, sanft vom Wind getragen. Der Geruch ähnelte kochender Batteriesäure, beißend und widerlich.

Die Statuen setzten sich in Bewegung.

Nein, nein, nein, bloß das nicht!, flehte die Stimme in seinem Kopf. Bleibt, wo ihr seid ... bitte, bleibt, wo ihr seid ...

»Hey Leute«, rief er. »Nicht bewegen, okay? Ich hol Hilfe!«

Wie durch seine Stimme angelockt, wandten sie sich in seine Richtung. Statisten in einem George-Romero-Schocker dürften ein ähnliches Bild abgeben ... mit dem Unterschied, dass diese Darsteller zischten und qualmten und wabernde Dämpfe ausstießen, die jedem, der sich näherte, den Atem raubten.

Und sie kamen näher ...

Er stolperte von seinem Wagen zurück, ein entsetzliches Grauen nistete sich in seinen Eingeweiden ein. Wie ein stupides Opfer in einem Horrorstreifen übersah er den Bordstein und stürzte. Benommen blieb er liegen. Als er den Mund zu einem Schrei öffnete, kam kein Ton heraus.

Das rettete ihn, begriff er wenig später. Die Gestalten irrten umher, streckten ihre sengenden Fingerspitzen aus und griffen nach allem, was sie kriegen konnten. Dabei knackten ihre Hände wie Scheite in einem Lagerfeuer und von jeder einzelnen Fingerkuppe schlängelte sich Rauch empor.

Sie erreichten den Pick-up. Augenscheinlich hatten sie keine Ahnung, wo er sich befand, denn sie betatschten den Wagen und fuchtelten mit den Händen ziellos in der Luft herum.

Sie wissen nicht, wo ich bin.

Das war es.

Das Knirschen der Motorhaube hatte sie anscheinend zum Leben erweckt. Sie reagierten auf Geräusche. Davon abgesehen waren sie blind wie Wühlmäuse. Er schaute zu, wie sie ihre Handflächen gegen den Pick-up drückten. Im Lack blieben schwarze Abdrücke zurück. Die Lackierung zerfloss unter den Berührungen, als seien Lötkolben an ihre Hände montiert.

Mehr brauchte Charlie nicht zu sehen.

Solange er keinen Mucks von sich gab, erwischten sie ihn nicht.

Langsam stand er auf, kämpfte das Keuchen in der Lunge nieder und schlich über den Rasen zum Bordstein. Sie bekamen weiterhin nichts davon mit. Gut. Er rannte ohne Zögern los. Nicht wie ein 50-Jähriger, sondern als sei der Teufel hinter ihm her.

10

»Es dauert höchstens zehn Minuten«, erklärte Joe Sumner und lenkte den VW an die Zapfsäule der Amoco-Tankstelle am Stadtrand von Middleburg. »Wenn die Karre nicht bald was in den Tank bekommt, können wir im Leerlauf nach Hause rollen.«

Susan nickte, aber ihm fiel auf, wie angespannt sie war. In der letzten Viertelstunde hatte sie mehrfach versucht, zu Hause anzurufen. Abby war nicht rangegangen. Wahrscheinlich bedeutete das gar nichts. Doch wie viele frischgebackene Mütter machte sich Susan um jede Kleinigkeit Sorgen.

»Mir gefällt das nicht«, meinte sie.

»Ich beeil mich«, versprach er.

Wenigstens waren sie die Einzigen an der Tankstelle, also dauerte es nicht lange. Der Kreditkartenschlitz an ihrer Zapfsäule war allerdings defekt. Er musste zum Bezahlen reingehen. An und für sich nicht schlimm, aber es kostete Zeit.

Während er den Tank füllte, beobachtete er, wie Susan erneut zum Telefon griff. Er hatte ihr bereits gesagt, dass es nicht viel brachte, aber sie hörte ja nicht auf ihn. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder hatte der Sturm die Telefonmasten umgelegt oder das verdammte Internet funktionierte nicht. Sie hatten ein All-in-One-Paket von Charter mit IP-Telefonie, Surf-Flatrate und zwei SIM-Karten für unterwegs gebucht. Es verging kaum ein Tag, an dem es nicht irgendeine Störung gab. Mittlerweile empfand er es fast schon als Normalität, zwei bis drei Stunden am Tag weder telefonieren noch surfen zu können.

Es wurde höchste Zeit für einen Anbieterwechsel.

Er blickte auf die digitale Tankanzeige an der Zapfsäule. Mein Gott, das dauerte ewig. Er konnte Susans Anspannung hinter dem Autofenster spüren – vielleicht war es aber auch seine eigene. Es gab doch überhaupt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Abby war eine zuverlässige Babysitterin.

Die beste, dachte er.

Megan befand sich bei ihr in guten Händen. Mit schlappen 16 Jahren blickte Abby bereits auf über zwei Jahre Erfahrung als Babysitterin zurück. Damit wusste sie mehr über Kleinkinder als er selbst oder Susan. Ihre Referenzen waren tadellos. Außerdem hatte sie eine examinierte Krankenpflegerin als Mutter, die nur drei Straßen entfernt wohnte. Besser ging es kaum.

Endlich war der Tank voll.

Er holte das Portemonnaie von der Ablage über dem Lenkrad. »Bin gleich zurück.«

Susan nickte knapp.

»Warum rufst du nicht deine Schwester an?«, schlug er vor. »Vielleicht ist ihre Leitung auch tot, dann weißt du wenigstens Bescheid.«

Susans Miene hellte sich auf. »Gute Idee.«

Frauen! Die Stimme des genervten kleinen Jungen meldete sich in ihm zu Wort. Sie sprach mit dem Tonfall von Spanky von den Kleinen Strolchen, wenn Darla oder seine Mutter ihm auf den Wecker gingen. Normalerweise hätte der Gedanke ihn amüsiert ... jetzt lächelte er nicht mal. Langsam, aber sicher stieg eine drängende Sorge in ihm auf. Vielleicht hatte er sich das bei Susan eingefangen. Gut möglich, dass ihr mütterliches Geglucke ansteckend war.

Eilig überquerte er das Gelände und näherte sich dem grell beleuchteten Tankshop, als ihm furchtbare Angst in den Magen fuhr. Er wusste selbst nicht, woran es lag.

Es gab keinen Grund, doch das Gefühl wurde stärker.

Knapp zwei Meter vor dem Glas der Schiebetür blieb er stehen und gaffte auf die Werbesticker hinter der Scheibe – Holzkohle von Kingsford, Pennzoil, Lays-Kartoffelchips, Gatorade. Was diese wachsende Beunruhigung in ihm hervorrief, konnte er nicht erklären.

Als die Glastür zur Seite glitt, konzentrierte sich die irrationale Angst im Brustbereich. Er betrat den Shop. Der durchdringende Mief ließ ihn beinahe aus den Latschen kippen.

Wieder konnte er nicht sagen, worum es sich handelte. Er wusste bloß, dass ihm etwas daran falsch vorkam. Eine üble Mischung aus Verbranntem und Ruß, der sich in der Lunge festsetzte und den Magen von innen her zukleisterte. Vielleicht war eine Fritteuse durchgebrannt, aber er glaubte nicht recht daran.

So muss es während der großen Pest in den Leichengräben gestunken haben, entschied er angewidert. Als man die Toten in Gruben vor der Stadt geworfen und angezündet hat.

Klarer Fall von Überreaktion.

Er ging vorbei an gestapelten Getränkekisten mit Icehouse, Sam Adams, Lipton Green Tea und Mineralwasser. Alles vollkommen normal, abgesehen von dem entsetzlichen Müffeln, das wie Giftgas in der Luft schwebte, und der Tatsache, dass sich kein Angestellter blicken ließ.

Auch sonst niemand.

»Hallo?« Die Stille verschluckte seine Stimme wie einen Kieselstein, der in einem tiefen Brunnenschacht verschwand.

Er ging vorsichtig auf die Theke zu, auf der sich Dosen von Slim Jims und Sasquatch Beef Jerky auftürmten. Die Regale dahinter waren voll mit Zigarettenschachteln. In der Mitte stand eine verchromte Truhe mit Eiscreme, die Wände bestanden reihenweise aus Kühlregalen und die Gänge zwischen den Regalen waren vollgestopft mit Aufstellern für Junkfood. Hier sah es aus wie in jedem anderen Tankshop, den er kannte. Aber warum war niemand da?

Hinter der Theke stieß er auf die Antwort.

Am äußeren Ende, direkt am Durchgang zu einem Lagerraum, lag eine Gestalt. Sie sah beinahe wie ein Mensch aus. Zumindest besaß sie Arme und Beine.

Das ... kann nicht wahr sein, Joe. Ich meine, ach du heilige Scheiße, guck dir das mal an. Als hätte man eine Wachsfigur von Madame Tussauds unter einem Heizstrahler liegen lassen.

Das traf es ziemlich gut ... doch ihn beschlich das abstoßende Gefühl, dass es sich weder um eine Puppe noch um einen wahnwitzigen Gag handelte. Wachs oder Latex stanken nicht so erbärmlich wie das hier.

Er erstickte fast daran.

Vorsichtig ging er auf die grässlichen Überreste zu. Er konnte nicht verhindern, dass er zitterte, während er nach einer Erklärung für diesen Anblick suchte. Das Gebilde wirkte jedenfalls weitaus realistischer als alles, was sich aus Plastik oder Vaseline herstellen ließ.

Er traute sich kaum mehr als drei Meter heran. Ab da wurde der Geruch schier unerträglich. Dunstschwaden rankten sich durch die Luft. Er blickte auf ein mehrfach gebrochenes Skelett, das in einem Teich aus geschmolzenem Käse schwamm – nur dass es eben kein Käse war.

Wie heiß muss es sein, damit so was passiert?, wunderte sich eine leise Stimme im Hinterkopf. Was für eine Temperatur ist nötig, um einem Menschen das Fleisch von den Knochen zu schälen und die Knochen in Holzkohle zu verwandeln?

Er wollte es gar nicht so genau wissen, stellte er im Zurückweichen fest. Dabei blickte er sich die ganze Zeit nach allen Seiten um, als rechne er irgendwo mit einer Kamera, die diesen makabren Spaß für eine TV-Show festhielt. Aber abgesehen von der typischen Überwachungsbox, die heutzutage überall hing, gab es keine versteckten Aufnahmegeräte. Es gab nur den leeren Shop auf der einen und die Fensterscheibe auf der anderen Seite, durch die er seinen VW an der Zapfsäule stehen sah – und auf dem Beifahrersitz den dunklen Umriss seiner Frau.

Joe zählte definitiv nicht zu den schreckhaften Typen. Bis zu diesem Punkt seines Lebens hatte ihm noch nie etwas so richtig Angst gemacht – jedenfalls nicht als Erwachsenem. Aber nun spürte er wachsende Panik. Sein Herz schlug so heftig, als sei er in vollem Tempo quer durch den ganzen Stadtteil gejoggt. Jeder Atemzug brachte die Lunge beinahe zum Platzen bei dem Versuch, Sauerstoff aus der Luft zu filtern. Seine Muskeln zogen sich zusammen, die Nerven spannten sich wie Violinsaiten und eine nervöse Hitze verlagerte sich aus dem Magen in den Brustkorb. Er befürchtete schon umzukippen, falls er die Situation nicht schnell in den Griff bekam.

Keine Angst, du wirst nicht ohnmächtig, beruhigte er sich. Keine Zeit für theatralisches Gehabe. Es ist was Schlimmes passiert und du wirst etwas dagegen unternehmen, und zwar jetzt gleich, verstanden?

Verstanden. Mit zitternden Fingern wählte er auf dem Handy die 911. Freizeichen. Gleich darauf blökte ihm eine Ansage ins Ohr: Zurzeit sind leider alle Leitungen belegt, bitte haben Sie noch etwas Geduld. Was ging denn jetzt ab? Seit wann wurde man in eine Warteschleife verfrachtet, wenn man einen Notfall melden wollte? Was hatte das alles zu bedeuten?

Er hörte Schritte hinter sich. Eine Stimme.

»Du hättest abhauen sollen, solange du noch konntest.«